Schwere Gasexplosion in Halle - 2002 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: OF Diemitz   
Donnerstag, den 28. Juni 2007 um 15:50 Uhr

zerstörte StraßenbeleuchtungEs gibt Orte, deren Name sofort mit einem tragischen Ereignis in Verbindung gebracht werden, wenn man sie hört. So geschah das auch mit der Stephanusstraße in Halle. Was war geschehen?

Es war ein Samstag im Dezember 2002. Genau gesagt, der 21. Dezember, wenige Tage vor Weihnachten. Wir wollten am Abend unsere alljährliche Weihnachtsfeier durchführen. Schon am Vormittag erschütterte eine gewaltige
Detonation die Innenstadt von Halle. Darauf folgten zahlreiche Notrufe, die alle das gleiche Ereignis betrafen. In Halle wurde Großalarm ausgelöst.

Der Löschzug der Hauptwache mit 4 Fahrzeugen wurde alarmiert, der Einsatzleitdienst der Feuerwehr, Notarzteinsatzfahrzeuge, Rettungswagen, und die Freiwillige Feuerwehr Halle-Trotha mit 2 Löschfahrzeugen. Aufgrund der nicht abreißenden weiteren Notrufe, die in der Notrufzentrale eingingen, wurde der Löschzug der Südwache und die Freiwillige Feuerwehr Diemitz alarmiert. Zeitgleich wurde das Führungszentrum der Polizei alarmiert. Weiterhin waren die Rettungshundestaffel des DLRG, das THW, die HAVAG und der Gasstördienst der
Energieversorgung der Stadt Halle alarmiert worden.

TrümmerAls die ersten Fahrzeuge der Feuerwehr am Einsatzort eintraten, bot sich folgendes Szenario:
1. ein eingestürztes Wohnhaus in der Stephanusstraße
2. mehrere umliegende Wohnhäuser in der Nachbarschaft zeigten schwere Zerstörungen
3. ein ca. 400 m² großer Trümmerberg, in welchem ein Brand steckte
4. mehrere verletzte Personen
5. eine in Frage stehende Zahl verletzter Personen, die sich evtl. im Trümmerhaufen befinden könnten
6. privat geparkte Pkws, die am Einsatzort die Arbeiten der Feuerwehr behinderten
und abgeschleppt werden mussten
7. es könnte sich evtl. um eine große Gasexplosion handeln
8. im Umkreis von ca. 400 m waren Fensterscheiben zersplittert, auch einige der
erst neu restaurierten Stephanuskirche
9. mehrere Ziegeldächer waren durch die Druckwelle abgedeckt worden
oder wiesen große Schäden auf
10. alles war mit einer immensen Staubschicht überzogen
11. die Nachbarhäuser Nr. 2 und 4 waren so stark beschädigt, dass sie jeden Moment einzustürzen drohten
12. weit verstreute Ziegelsteine durch die Detonation, bis vor an das Reileck

verbogene Stahlträger des HausesEin 52jähriger Mann wurde mit Schnitt- und schwersten Brandverletzungen gerettet und in das Krankenhaus eingeliefert. Zur Beräumung des Trümmerberges konnte keine schwere Technik eingesetzt werden, da man ja noch nicht wusste, ob noch verschüttete Personen darunter lagen. Also trugen die Kräfte der Berufs- und freiwilligen Feuerwehren die Trümmer mit der Hand ab, immer mit der Angst vor Augen, etwas zu finden.

Wegen des immer noch starken Gasgeruches ließen sich die Hunde nur schwer auf den Trümmerberg führen. Plötzlich findet man ein verschüttetes Auto, die Hunde schlagen an... Gefunden wurde aber glücklicherweise Niemand. Nach intensivem Suchen wurden keine weiteren Verschütteten gefunden.

Jetzt ging die Suche weiter nach evtl. Beweismaterial, dass sicher gestellt werden musste. Auf Grund verschiedener Fundsachen und Indizien, wurde immer deutlicher, dass dies eine manipulierte Gasexplosion war. Das LKA wurde eingeschalten, eine Sonderkommission „Stephanus“ wurde gebildet.

An der Einsatzstelle wurde ein Helium-Ballon des THW eingesetzt, der für gute Sichtverhältnisse in den Abend- und Nachtstunden sorgte. In Schichten eingeteilt waren dazu die Kräfte sämtlicher freiwilliger Feuerwehren.

Das Arbeiten an der Einsatzstelle dauerte bis zum 23. 12. 2003, 14.00 Uhr. Insgesamt waren 850 Einsätzkräfte der verschiedensten Hilfsorganisationen bemüht, die Schäden so schnell wie möglich zu beseitigen.

Trümmer Trümmer

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 05. Juli 2007 um 11:39 Uhr
 
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